Das Dampfschiff Schaarhörn

1908 - 2008 SCHAARHÖRN ist mehr als 100 Jahre alt

Auf der Schaarhörn finden Sie die für Dampfschiffe der Epoche übliche Einteilung: rund ein Drittel der Schiffslänge nimmt das Vorschiff ein, daneben nautische Räume sowie das Ruderhaus und darunter Stores. Heute sind in diesen Räumen Toiletten, Geschirrspülraum und zwei Lagerräume untergebracht. Hinter einer der Türen verbirgt sich der Niedergang in die Mannschaftsräume im Vorschiff. Das sind die Kapitänskammer, das Schiffsbüro, jeweils mit einer Koje, das Mannschaftslogis mit sechs und eine Kammer mit zwei Kojen. Ausserdem ist im Vorschiff ein Badezimmer mit Dusche zu finden. Diese Räume sind für die Passagiere nicht zugänglich. Am schön verzierten Bug kann man neben der Schiffsglocke aus Messing stehen und sich den Fahrtwind um die Nase wehen lassen. Das mittlere Drittel der Schiffslänge enthält den Maschinenraum und den Kesselraum, darüber der Schornstein. Über den Kessel hat man die Kombüse gesetzt.

Das hintere Drittel gehört den Passagieren: Auf dem Hauptdeck befindet sich der Jugendstilsalon mit zehn großen Fenstern, der dem Hamburger Senat zum Aufenthalt dienen sollte. Unter dem Salon waren früher Kammern, in die sich die Herrschaften zurückziehen konnten. Leider war im Jahr 1990 davon nichts mehr erhalten, so dass sich der Eigentümer entschloss, einen gemütlichen weiteren unteren Salon mit einer Bar in hellem Eichenholz einzurichten. Beide Salons bieten zusammen Platz für rund 70 Gäste, davon rund 50 im Sitzen. Über dem Jugendstilsalon befindet sich das Oberdeck, überdacht mit einem Sonnensegel. Wunderbar kann man auch auf dem Achterdeck auf der Gräting sitzen.

Ruderhaus

Original sind im Ruderhaus die Rudersäule, der Maschinentelegraph für Backbord- und Steuerbordmaschine sowie die Sprechrohre zur Maschine und zur Rudermaschine sowie die Aussenwände des Ruderhauses selbst. Ansonsten findet man im Ruderhaus sämtliche für die Binnenschifffahrt auf Seeschifffahrtsstraßen (auf lediglich Binnenschifffahrtsstraßen kann die SCHAARHÖRN wegen ihrer Abmessungen als Seeschiff nicht fahren) und für die Seefahrt vorgeschriebenen Geräte, z.B. Kompass, Radar, Wendekreisanzeiger (Schiffsdrehung ° /min), Kesseldruckmanometer, Propeller-Drehzahlmesser, GMDSS, 2 Seefunkgeräte, 3 mobile Seefunkgeräte, GPS, Echolot und anderes mehr.

Jugendstilsalon

Durch die großen Fenster hat man einen wunderbaren Blick auf die vorbeiziehende Landschaft. Und wenn man den Blick hebt, schaut man auf ein ganz besonderes Skylight.

Skylight

Im oberen Salon befindet sich ein technisch und zur Beleuchtung völlig überflüssiges Skylight im ornamentalen Jugendstil. Lediglich in den Ecken befinden sich Köpfe, die jeweils einen der vier Erdteile symbolisieren. Im Jahr 1908 galt Australien noch nicht als Erdteil. Deshalb ist die Anzahl der Erdteile mit vier zutreffend. Das Skylight war für Sitzungen des Hamburger Senats an Bord erforderlich, weil der Hamburger Senat - übrigens auch im Rathaus - zwischen sich und dem Himmel nichts duldet, jedenfalls nichts undurchsichtiges. Auf den Zweck des oberen Salons weist auch die Einrichtung mit 13 Sesseln (für jeden Senator einer) und einem Quertisch mit zwar recht komfortablen lederbezogenen Bänken hin, aber eben doch eher die "Schlingelbank" - für die Staatsräte.

Bugzier

Stolz weht die Hamburger Flagge über der herrlichen Bugzier im Wind. Die SCHAARHÖRN gehört zur Freien und Hansestadt Hamburg, wie der Michel und die Reeperbahn. Nur ist sie beweglicher und repräsentiert ihren Heimathafen auch in anderen Häfen.

Schiffsglocke

Leider bleibt das strahlende Messing dieses vielfach besungenen und mit Romantik behafteten Instrumentes im Internet verborgen. Nüchtern betrachtet, ist die Schiffsglocke ein vorgeschriebenes Instrument für Schallsignale, die besonders im Nebel gut zu hören sind. Übrigens gilt auf der SCHAARHÖRN der alte Seemannsbrauch, wer die Glocke unbefugt betätigt, zahlt je Glockenschlag eine Runde Bier oder alkoholfreies Ersatzgetränk für die Besatzung nach dem Anlegen.
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Kesselraum

Heizer bei der Arbeit erinnern an klassische Literatur, die je nach Provenienz und Bedarf Heizer als ausgemergelte und zerlumpte oder aber kraftstrotzende, rohe Gestalten darstellt. Beides mag es noch zu Anfang des 20. Jahrhunderts gegeben haben. Heute sieht das Geschäft ganz anders aus. Heizer brauchen technisches Gespür, um die Roste optimal zu bedienen. Klappt das nicht, kann dies schnell zu großen Schäden am Kessel führen. Eine Schaufel mit Inhalt wiegt je nach Kraft des Heizers oder der Heizerin (gibt es auch) rund 6 kg. Pro Stunde gehen bei Marschfahrt etwa 50 Schaufeln in die Feuerlöcher der SCHAARHÖRN. Die abwechslungsreiche Bewegung, je nach Feuerloch und zu beschickendem Bereich, in warmer Luft bei ca. 25 Grad Celsius lässt verspannte Rückenmuskeln schnell schmerzfrei werden.

Schornstein

Auf dem Bild sieht man neben dem rund 8 m hohen Schornstein Windhutzen, die Frischluft in den Kesselbereich bringen. Die kupferne Schornsteinkrone mit rund 4 m Durchmesser wurde vollständig von Hand getrieben und auf den Stahlschornstein passgenau aufgesetzt. Links im Bild die Barkasse, die früher zu Peilzwecken ausgesetzt wurde. Die SCHAARHÖRN verfügt über einen dampfgetriebenen Stromgenerator , dessen Leistung allerdings nicht ausreicht, alle für einen zeitgemäßen Service erforderlichen Geräte von der Kaffeemaschine bis zum Kühltresen zu versorgen. Da muss dann doch der Diesel herhalten, wenn sich die Gäste nicht freiwillig einschränken wollen.

Maschinenraum

Der Platz im Maschinenraum der SCHAARHÖRN ist mit den beiden Hauptdampfmaschinen, der Zirkuline, dem dampfbetriebenen Generator und der Duplexpumpe voll ausgenutzt. Zum Fotografieren bleibt da kein guter Winkel. Deshalb muss man das Alles gesehen haben, am Besten in Betrieb. Dann kann man auch den Dampf zischen hören und die ölhaltige original Dampfmaschinen- Luft einatmen. Während unserer Fahrt sind Besucher auch in der Maschine willkommen. Erklärungen gibt es gratis.
Mehr dazu unter technische Daten.

Kombüse

Da die alte Kombüse komplett beseitigt war als wir das Schiff übernahmen, haben wir uns für eine moderne und professionelle Lösung entschieden. Allerdings war die beschränkte Raumgröße und die knappe elektrische Energie zu berücksichtigen. Deshalb verfügt die Kombüse über einen großen Kühl-, aber keinen Gefrierschrank.
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Unterer Salon

Den unteren Salon beherrscht an der Bar der Bierzapfhahn. Ansonsten ist es dort mit rund 22 Sitzplätzen und viel Stehfläche sehr gemütlich. Man kommt selbst mit Wildfremden schnell ins Gespräch, auf Neudeutsch eine "kommunikative Athmosphäre". Die Bullaugen befinden sich gerade über der Wasserlinie und eröffnen interessante Ausblicke, besonders wenn eine Welle gegen das Glas spült. Für Andenkenjäger gibt es Bierfilze mit SCHAARHÖRN-Motiv ohne Zuzahlung. Fragen Sie danach!

Oberdeck

Wer den Überblick liebt, macht es sich auf dem Oberdeck bequem. Vor zu viel Sonne und Regen sind Sie durch eine Persenning geschützt. Bei kühlem Wetter bringen sich Enthusiasten des Oberdecks einen Pullover und einen gelben Friesennerz mit.
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Achterdeck

Seefahrt vom Feinsten! Sitzen auf der Achtergräting wie die Hühner auf der Stange, aber viel komfortabler. Der Seewind streicht leicht über die Haut und kühlt in der Sonne. Das Schiff gleitet lautlos durch die Wellen und das Ufer verliert sich am Horizont... . Der Platz für Träumer, häufig aber realistisch genug, ein Glas Bier in der Hand zu haben.
Unbeschreiblich schön, nur zu erleben!